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Abschätzung der Molekülgröße mit der Ölfilm-Methode Leitfaden

PhysikMittelstufeLesezeit: 5 Min

Übersicht

Die Olfilmmethode ist ein klassisches Experiment der Physik zur Abschatzung der Molekulgrosse. In diesem Experiment wird eine Losung von Olsaure in Alkohol auf eine Wasseroberflache getropft. Die Olsaure breitet sich zu einem monomolekularen Film aus, und durch Messung der Filmflache in Kombination mit dem bekannten Volumen reiner Olsaure lasst sich mit der Formel d=VSd = \frac{V}{S} der Durchmesser eines Olsauremolekuls abschatzen — er liegt in der Grossenordnung von 1010 m10^{-10}\ \text{m}. Dieses Experiment verknupft auf elegante Weise makroskopische Messungen mit der mikroskopischen Welt und ist eine wichtige praktische Ubung zum Verstandnis der kinetischen Molekulartheorie.

Hintergrund

Die Erforschung der Molekulgrosse hat eine lange Geschichte. Im 18. Jahrhundert goss Benjamin Franklin eine kleine Menge Olivenol auf den Teich von Clapham Common in England und beobachtete, wie sich das Ol rasch zu einem extrem dunnen Film ausbreitete — dies gilt als Vorlaufer des Olfilmexperiments. Ende des 19. Jahrhunderts quantifizierte Lord Rayleigh dieses Phanomen: Durch Messung der Filmflache bei bekannter Olmenge gelang ihm die erste Abschatzung der Molekulgrosse auf etwa 1010 m10^{-10}\ \text{m}. Dieses Ergebnis stimmte weitgehend mit spater durch prazise Methoden wie Rontgenbeugung gewonnenen Werten uberein und lieferte einen starken Beleg fur die physische Realitat von Molekulen. Aufgrund ihres anschaulichen Prinzips und der einfachen Durchfuhrung ist die Olfilmmethode bis heute ein klassisches Experiment im Physikunterricht.

Hintergrund

  • 1765 — Franklin fuhrte ein Olfilmexperiment auf einem Teich durch und beobachtete die rasche Ausbreitung des Ols auf der Wasseroberflache
  • 1890 — Lord Rayleigh quantifizierte das Olfilmexperiment und schatzte erstmals den Molekuldurchmesser auf die Grossenordnung von 1010 m10^{-10}\ \text{m}
  • 1905 — Einstein veroffentlichte seine Theorie der Brownschen Bewegung und bestatigte damit die physische Existenz von Molekulen aus einer anderen Perspektive
  • 1926 — Perrin erhielt den Nobelpreis fur Physik fur seine Forschungen zur diskontinuierlichen Struktur der Materie

Schlüsselkonzepte

Monomolekularer Olfilm

Olsauremolekule besitzen eine hydrophile Carboxylkopfgruppe und einen hydrophoben Kohlenwasserstoffschwanz. Auf einer Wasseroberflache ordnen sie sich spontan zu einer dicht gepackten Monoschicht an — die Carboxylgruppen tauchen ins Wasser ein, wahrend die Kohlenwasserstoffketten nach oben zeigen. Die Dicke dieses Films entspricht dem 'effektiven Durchmesser' eines Molekuls.

Molekuldurchmesser

d=VSd = \frac{V}{S}

Unter der Annahme kugelformiger Olsauremolekule entspricht die Dicke des monomolekularen Films einem Molekuldurchmesser dd. Bei bekanntem Volumen reiner Olsaure VV und Filmflache SS gilt: d=VSd = \frac{V}{S}.

Herstellung der Olsaure-Alkohol-Losung

V纯油酸=V一滴溶液×浓度V_{\text{纯油酸}} = V_{\text{一滴溶液}} \times \text{浓度}

Reine Olsaure wird in Alkohol gelost, um eine Losung bekannter Konzentration herzustellen. Der Alkohol dient als Verdunnungsmittel: Nach dem Auftropfen auf die Wasseroberflache verdunstet und lost er sich rasch auf, sodass nur die reine Olsaure auf der Oberflache verbleibt und sich ausbreitet. Die Konzentration wird als Volumenanteil angegeben — zum Beispiel bedeutet 1:100001:10000, dass auf 1000010000 Teile Losung 11 Teil reine Olsaure kommt.

Gitterzahlmethode

S=(N完整+12N不完整)×S每格S = (N_{\text{完整}} + \frac{1}{2} N_{\text{不完整}}) \times S_{\text{每格}}

Der Umriss des Olfilms wird auf Millimeterpapier ubertragen. Vollstandig bedeckte Quadrate werden als ganze Quadrate gezahlt, teilweise bedeckte als halbe. Multipliziert man die effektive Anzahl mit der Flache eines Quadrats, erhalt man die Gesamtflache des Films.

Formeln & Herleitung

Formel fur den Molekuldurchmesser

d=VSd = \frac{V}{S}

Volumen der reinen Olsaure

V=V×CV = V_{\text{滴}} \times C

Olfilmflache (Gittermethode)

S=(N完整+12N不完整)×S每格S = (N_{\text{完整}} + \frac{1}{2} N_{\text{不完整}}) \times S_{\text{每格}}

Experimentier-Schritte

  1. 1

    Das Experimentprinzip verstehen

    Lesen Sie die Karte 'Prinzip' auf der rechten Seite, um das Konzept des monomolekularen Olfilms und die Bedeutung der Formel d=VSd = \frac{V}{S} zu verstehen. Uberlegen Sie: Warum entspricht die Filmdicke dem Molekuldurchmesser?
  2. 2

    Losungskonzentration einstellen

    Stellen Sie den Schieberegler 'Konzentration der Olsaure-Alkohol-Losung' ein. Der Bereich reicht von 1:1000001:100000 bis 1:10001:1000 (Standardwert 1:100001:10000). Uberlegen Sie: Enthalt ein Tropfen bei hoherer Konzentration mehr oder weniger reine Olsaure?
  3. 3

    Tropfenvolumen einstellen

    Stellen Sie den Schieberegler 'Volumen pro Tropfen' ein. Der Bereich reicht von 0.01 mL0.01\ \text{mL} bis 0.10 mL0.10\ \text{mL} (Standardwert 0.05 mL0.05\ \text{mL}). Sagen Sie voraus: Wie wird sich eine Vergrosserung des Tropfenvolumens auf die Olfilmflache auswirken?
  4. 4

    Losung auftropfen und Filmausbreitung beobachten

    Klicken Sie auf die Schaltflache 'Olsaurelosung tropfen' und beobachten Sie, wie sich der Film nach dem Auftropfen allmahlich uber die Wasseroberflache ausbreitet. Beachten Sie: Nach dem Verdunsten des Alkohols verbleibt nur die reine Olsaure auf der Oberflache. Der Bereich, in dem das Talkumpuder verdrangt wird, markiert die Ausdehnung des Olfilms.
  5. 5

    Experimentdaten analysieren

    Betrachten Sie das Datenpanel unten: vollstandige Quadrate, unvollstandige Quadrate und effektive Quadrate. Prufen Sie die Olfilmflache SS und das Volumen der reinen Olsaure VV und berechnen Sie den Molekuldurchmesser mit d=VSd = \frac{V}{S}. Liegt das Ergebnis in der Grossenordnung von 1010 m10^{-10}\ \text{m}?
  6. 6

    Einfluss der Parameter untersuchen

    Klicken Sie auf 'Experiment zurucksetzen', andern Sie die Konzentration oder das Tropfenvolumen und fuhren Sie das Experiment erneut durch. Beobachten Sie: Ergibt sich bei unterschiedlichen Parametern ein konsistenter Molekuldurchmesser? Was geschieht, wenn die Parameter zu hoch gewahlt werden?

Lernergebnisse

  • Den physikalischen Mechanismus verstehen, durch den Olsauremolekule eine Monoschicht auf der Wasseroberflache bilden
  • Die Anwendung der Formel d=VSd = \frac{V}{S} beherrschen, um aus makroskopischen Messungen mikroskopische Molekulgrossen abzuschatzen
  • Die Gitterzahlmethode zur Flachenbestimmung unregelmasiger Formen erlernen
  • Erkennen, dass die Grossenordnung eines Molekuldurchmessers bei etwa 1010 m10^{-10}\ \text{m} liegt, und ein Gefuhl fur mikroskopische Massstabe entwickeln
  • Verstehen, wie die Kontrolle experimenteller Variablen (Konzentration, Tropfenvolumen) die Ergebnisse beeinflusst

Praxisanwendungen

  • Tenside: Molekule in Spulmittel ahneln der Olsaure — ein Ende ist hydrophil, das andere hydrophob. Sie bilden Monoschichten auf Wasseroberflachen, senken die Oberflachenspannung und helfen so, Fett und Ol zu entfernen
  • Langmuir-Blodgett-Filme: Die LB-Filmtechnik nutzt das Monoschichtprinzip, um dunne Filme Schicht fur Schicht im Nanometerbereich aufzubauen, mit Anwendungen in optischen Beschichtungen, Sensoren und anderen Hightech-Bereichen
  • Uberwachung von Olteppichen: Nach einer Olkatastrophe auf See breitet sich das Ol als dunner Film uber die Meeresoberflache aus. Wissenschaftler schatzen die ausgetretene Menge anhand der Filmflache und -dicke ab, um die Reinigungsarbeiten zu steuern
  • Zellmembranmodell: Die Phospholipid-Doppelschicht biologischer Zellmembranen teilt mit der Monoschicht im Olfilmexperiment ein gemeinsames Selbstorganisationsprinzip — beide entstehen durch die amphiphile Natur der beteiligten Molekule

Häufige Irrtümer

Irrtum
Die Olfilmflache entspricht der Grosse eines Molekuls
Richtig
Die Filmflache ist die Gesamtflache, die von einer grossen Anzahl von Molekulen bedeckt wird. Der Molekuldurchmesser entspricht der Filmdicke, d=VSd = \frac{V}{S}, und ist weit kleiner als die Filmflache.
Irrtum
Eine hohere Konzentration fuhrt zu genaueren Messungen
Richtig
Bei zu hoher Konzentration ist zu viel Olsaure vorhanden, sodass der Film uber den Rand der Schale hinausreichen kann und sich nicht vollstandig ausbreitet — die Messung wird dadurch unbrauchbar. Es sollte eine geeignete Konzentration gewahlt werden, damit sich der Film vollstandig innerhalb der Schale ausbreiten kann.
Irrtum
Der Alkohol verbleibt ebenfalls auf der Oberflache als Teil des Films
Richtig
Alkohol ist wasserloslich und verdunstet leicht. Nach dem Auftropfen lost er sich rasch auf und verdunstet, sodass nur die wasserunlosliche reine Olsaure auf der Oberflache zuruckbleibt.
Irrtum
Ein grosserer Olfilm bedeutet einen grosseren Molekuldurchmesser
Richtig
Das Gegenteil ist der Fall. Bei gleichem Volumen reiner Olsaure bedeutet eine grossere Filmflache einen dunneren Film und somit einen kleineren Molekuldurchmesser. Aus d=VSd = \frac{V}{S} folgt: Je grosser SS, desto kleiner dd.

Weiterführende Literatur

Bereit zum Start?

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